Schulgarten Übersicht (Lessing-Stadtteilschule: Biologie-Station)

Schulgarten der Lessing-Stadtteilschule

Mit dem Bezug unseres neuen Schulgeländes im Jahr 2019 und der Zusammenlegung unserer ursprünglich drei Schulstandorte, haben wir die einmalige Chance ergriffen unseren Schulgarten mit Teich-Biotop im Zuge der Biologie-Station wiederzubeleben. Der Garten soll zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Gewächshaus sowie ein Kleintierhaus für die Haltung von Meerschweinchen bekommen.

Unser vorrangiges Ziel folgt dem Konzept „Mit der Natur, von der Natur lernen“: Ein Naturbewusstsein bei Schülerinnen und Schülern ist die Grundlage für nachhaltiges Handeln, es fördert die Wertschätzung der Natur und ihrer Rohstoffe bzw. Ressourcen. Zudem fördert es die Entwicklung zu einem positiven, nachhaltigen Lebensstil. Dies ist in Ballungsräumen besonders schwierig umzusetzen, gerade in Stadtteilen mit großen sozialen Herausforderungen stellt die Wahrnehmung von Naturerlebnissen mit allen Sinnen ein besonderes pädagogisches Ziel dar. Der Lernort Schulgarten soll hierfür einen Anlass im Schulalltag der Schülerinnen und Schüler bieten. Kindliche Motorik, Kreativität, Selbstbewusstsein und Persönlichkeitsentwicklung sollen im Rahmen verschiedener Konzeptbestandteile gefördert werden.

Das Teich-Biotop

Das Projektziel, ein eigenes Teichbiotop in unserem Schulgarten anzulegen, ist Kernbestandteil unseres Schulgartens an unserem neuen Schulstandort am Hanhoopsfeld 21. Der Schulgartenteich bildet das zentrale Element zwischen Kräuterspirale, Schulacker, Kleintierstall und zukünftigem Gewächshaus.

Teich-Biotop Lessing-Stadtteilschule (Biologie-Station)
Teich-Biotop Lessing-Stadtteilschule (Biologie-Station)

Initiiert wurde der Teichbau durch die Schüler*innen im Biologie-Profil der 12. Klasse bei Herrn Koch. Das Profil recherchierte die Vorgehensweise, plante das Projekt einschließlich seiner Finanzierung sowie des Einkaufs der Materialien und sammelte Spenden dafür. Das Projektbudget wurde auf 1200,- EUR angesetzt (400,- EUR Schulbudget, 400,- EUR Schulverein, 400,- EUR Spendensammlung) und wurde unterschritten. Dazu trugen insbesondere namhafte Sachspenden aus der Schulgemeinschaft bei (Kies, Steine, Zier-, Nutz- und Wasserpflanzen, eine Teichpumpe).

Der Teich wird als solches „sich selbst überlassen“ und soll einheimischen Tierarten als Refugium dienen. Es wird damit gerechnet, dass Grasfrösche und Teichmolche aus umliegenden Teichen binnen einer Saison zum Laichen zuwandern werden. Im Zuge der natürlichen Entwicklung des Biotops werden außerdem sukzessive Mücken, Wasserläufer, Rückenschwimmer und Libellen Einzug erhalten. – Der Teich soll dabei keinerlei künstlichen Fischbesatz erhalten, um die Entstehung eines natürlichen Gleichgewichts der Arten zuzulassen. – Es ist lediglich geplant, den Teich ab 2021 als Sommerquartier für unsere Moschusschildkröte „Mathilda“ mit zu nutzen, da sie als Einzeltier das ökologische Gleichgewicht nicht nachhaltig beeinträchtigen kann.

Teich-Biotop mit Kräuterspirale Lessing-Stadtteilschule (Biologie-Station)
Teich-Biotop mit Kräuterspirale Lessing-Stadtteilschule (Biologie-Station)

Das Projekt dient zudem dem Ziel, Untersuchungen eines Biotops (Klasse 7) sowie gewässerökologische Untersuchungen (Klasse 12) im Fach Biologie durchzuführen, wozu wir als Harburger Schule normalerweise ans ZSU (Zentrum für Schulbiologie) in Klein Flottbek fahren müssten. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, das Biotop für Lehrveranstaltungen für unsere Partner- und Kooperationsschulen zu öffnen.

Bewerbung für den Harburger Nachhaltigkeitspreis 2020

Mit unserem Teichbauprojekt haben wir uns für den Harburger Nachhaltigkeitspreis 2020 beworben:

Ökologie: Aquatische Ökosysteme haben eine besondere Bedeutung in der Vermittlung des Prinzips vom ökologischen Gleichgewicht. Da aquatische Ökosysteme in einem wesentlichen Teil für die Pflanzen und Tiere ein teil-geschlossenes System darstellen (Biomasse und Energiefluss betreffend), sind sie für die Untersuchung von Ökosystemen (an unserer Schule in Klasse 7 und 12) besonders geeignet. Das Ziel ist es, dass binnen einer Saison (bis Frühjahr 2021) viele einheimische Insekten- und Amphibienarten den natürlichen Weg in unser Biotop gefunden haben – was sehr wahrscheinlich ist! – sodass wir einen Biotop-Ausschnitt einheimischer Natur im Schulgarten zeigen können. Darüber hinaus bildet der Schulgartenteich eine mikroklimatische Vorbedingung für die zeitgleich angelegten Ackerflächen und die Kräuterspirale.
Im Zuge der baulichen Umsetzung muss betont werden, dass alle Bauschritte in Eigenleistung durch Schüler*innen und Lehrkräfte ohne den Einsatz von Maschinen geschahen und dass Baumaterialien (Feldsteine, Schutt, Kies, Lehm) vollständig wieder genutzt wurden, um den Teich anzulegen. Außerdem wurde eine besondere Teichfolie eingebaut, die nicht aus Erdöl, sondern aus rein pflanzlichen Ölbestandteilen hergestellt wurde.

Soziales: Das Projekt wurde als Team-Building-Projekt des Biologie-Profils (15 Schüler*innen) initiiert und durch die Schulzoo/Schulgarten AGs (wechselnde Teams aus Kolleg*innen und 10SuS) tatkräftig unterstützt. Von besonderer Bedeutung war auch, dass das Engagement der Schüler*innen das Interesse bei fachfremden Kolleg*innen geweckt hat, sich für den Biotop-Bau zu Engagieren und Sachspenden beizutragen. – Das Schulgarten-Biotop wird ein wichtiger Lernort für nachfolgende Jahrgänge sein, um Tiere und Pflanzen im aquatischen Ökosystem zu beobachten und zu untersuchen.

Ökonomie: Die Schüler*innen des Biologie-Profils recherchierten und planten das Projekt einschließlich seiner Finanzierung sowie des Einkaufs der Materialien und sammelten Spenden dafür. Das Projektbudget wurde auf 1200,- EUR angesetzt, um anschließend Schulleitung und Schulverein von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen und mit einer Spendensammlung zu beginnen. Das Projektbudget wurde unterschritten (s.o.).

Partizipation: Die Schüler*innen beteiligten sich aktiv an der Planung, Umsetzung und Gestaltung des Projektes sowie an der Finanzplanung. Die Schüler*innen haben ihre Kammerad*innen aus Parallelkursen, Geschwisterkinder und Kolleg*innen motiviert, das Projekt zu unterstützen.

Der Gemüse-Acker

Seit Sommer 2020 entsteht in unserem Schulgarten ein Gemüse-Acker in Kooperation mit der Gemüse-Ackerdemie (Ackerdemia e.V.).

Gemüse-Ackerdemie_Logo
Gemüse-Ackerdemie

Die Gemüse-Ackerdemie wird als ganzjähriges theorie- und praxisbasiertes Programm im Wahlpflichtunterricht in Jahrgang 6 umgesetzt. Das Ziel ist es, die Wertschätzung von Lebensmitteln und das Bewusstsein über deren Herkunft bei den Kindern zu steigern. Das Konzept der Ackerdemia e.V. soll gegen den Wissens- und Kompetenzverlust im Bereich der Lebensmittelproduktion wirken sowie die Entfremdung von der Natur aufarbeiten und ungesunde Ernährungsgewohnheiten sowie Lebensmittelverschwendung thematisieren.

Die Gemüse-Ackerdemie gliedert sich in drei Programmphasen:

In der Vorackerzeit (Januar bis April) steht die Organisation sowie die inhaltliche Vorbereitung im Fokus. Die Lehrkräfte erhalten neben Fortbildungen und Infomaterialien direkte Unterstützung und Beratung durch das Team der Ackerdemia e.V.
Die Schülerinnen und Schüler erhalten zeitgleich einen ersten Einblick in das Thema Gemüseanbau, die biologische Vielfalt sowie Bodenfruchtbarkeit. Ackerdemia e.V. kümmert sich um die Saat- und Pflanzgutbestellung.

In der Ackerzeit (April bis Oktober) geht es pro Woche eine Doppelstunde auf den Acker. Die Kinder pflanzen, pflegen, ernten und verarbeiten ihr Gemüse.

In der Nachackerzeit (Oktober bis Dezember) wird der Acker winterfest gemacht und auf das kommende Jahr vorbereitet. Im Unterricht widmen wir uns dann weiterführenden Themen wie Lebensmittelverschwendung und Sortenvielfalt.

Wir freuen uns über diese einzigartige Projektteilnahme zum Aufbau unseres Schulgartens und bedanken uns für die Unterstützung bei Ackerdemia e.V.

(Text: Fabian Peter Koch mit freundlicher Unterstützung durch Magdalena Wolf)